Deutsche Meisterschaft 2010

Meine zweite Teilnahme an den deutschen Meisterschaften stand auf dem Plan, in diesem Jahr fand die Veranstaltung im schönen Elzach statt. Am Freitag machte ich mich auf den Weg nach Balingen um an meinem Passformkissen im Bike eine letzte Änderung durchführen zu lassen. Da mein Termin bei Schlather Orthopädietechnik schon um 9 Uhr hatte musste ich schon um kurz nach 5 Uhr am Morgen losfahren. Tobias wartete schon auf mich und die Änderung war schnell durchgeführt und jetzt lag ich richtig gut im Bike. Zum Abschluss wurde das Kissen vernäht damit der Stoff auch auf Dauer gut sitzt. Ich fuhr noch kurz bei Pro Activ vorbei um mir noch ein paar Kleinteile für meinen Rollstuhl abzuholen. Von Dotternhausen waren es nur noch einwenig über 80 Kilometer nach Elzach, doch ich brauchte fast eineinhalb Stunden. Die Fahrt verlief über Landstrassen und ich musste durch viele Ortschaften im Schwarzwald. Eine sehr schön anzuschauende Landschaft, doch für Rollifahrer, durch das Höhenprofil mit vielen Steigungen von bis zu 20%, völlig ungeeignet.

In Elzach angekommen checkte ich im Aktiv Hotel ein, ein schönes Hotel welches für Rollifahrer und auch Fußgänger keine Wünsche offen lässt. Jedes Zimmer verfügt über ein Rollstuhl gerechtes Bad, eine Küche, ein Wohn und ein Schlafzimmer. Ursula die gute Seele im Haus und das Team kümmern sich um alle Belange und empfangen ihre Gäste immer mit einem Lächeln. Nach dem Einchecken blieb noch Zeit mit Jörg Pieper der  mittlerweile auch angereist war die Strecke für das morgige Einzelzeitfahren abzufahren. Immerhin hieß es 12 km Bergauf zu fahren und das in einer respektablen Zeit. Die ersten 6 km verliefen human und ich dachte mir dass es eigentlich gar nicht so schlecht laufen kann. Doch die nächsten 6 km hatten es in sich. Immer wieder kleine Rampen die an der Kraft zehrten und jede nächste kam mir steiler vor. Nach 54  Minuten war es geschafft, der Parkplatz und damit das Ziel waren erreicht. Morgen musste es deutlich schneller gehen, immerhin wollte ich nicht letzter werden und steckte mir meine Zielzeit bei 45 Minuten. Die Abfahrt verlief deutlich schneller, Jörg und ich scherzten ob meine Abfahrtzeit nicht gewertet werden könne. Schnell duschen und noch die Startunterlagen für das morgige Rennen abholen. Der Wetterbericht versprach schon wieder Regen, für mich und die meisten anderen Athleten nicht neues, irgendwie wollte die Serie der Wet-Races nicht abreißen. Der Abend verlief ruhig und ich ging früh schlafen.

In der Nacht wurde ich durch die heftigen Regenfälle immer wieder geweckt und auch beim Aufstehen am Morgen regnete es noch stark. Beim anschließenden Frühstück konnte man die Begeisterung jedes einzelnen genau deuten, Keiner hatte bei diesem Wetter Bock sich den Berg raufzuquälen. Mein Auto stand wenigstens in der Tiefgarage und so blieb ich beim Aufbau des Bikes wenigstens trocken. Torben, Vico und Patrick saßen schon in den Bikes und fuhren sich auf der Trainingsrolle warm. Eine gute Idee der ich bislang keine Bedeutung geschenkt hatte, doch beim Blick ins Freie fand ich die Idee gar nicht schlecht. Nachdem Vico fertig war spannte Jörg sein Bike auf dessen Rolle und mir blieb nichts anderes übrig als mich draußen warm zu fahren, denn die angebotene Rolle von Patrick passte aufgrund der unterschiedlichen Reifengröße nicht. Meine Startzeit war 13:26 Uhr, verzögerte sich jedoch ein wenig. Eigentlich ist das Einzelzeitfahren meine Lieblingsdisziplin, doch nicht wenn die Strecke fast komplett bergauf geht. Der starke Regen hatte aufgehört und es tröpfelte nur noch ein wenig. Aber da musste ich jetzt durch. 5, 4, 3, 2, 1 und Go und ab ging die Post, wie ich schon gestern bemerkt hatte konnte ich auf den ersten 5 km der Strecke das Tempo recht hoch halten und mein Schnitt lag noch über 20 Stundenkilometer, doch die erste Rampe war schon in Sicht. Immer wieder standen trotz des schlechten Wetters Zuschauer am Rand der Strecke und feuerten mich an. In diesen Situationen bekomme ich immer wieder einen kleinen Leistungsschub. Nach 42 Minuten, damit unterbot ich meine Vorgabezeit von gestern um 3 Minuten, beendete ich auf dem 9. Platz das Einzelzeitfahren. Nicht ganz zufrieden stellend aber ich hatte alles gegeben, morgen sollte es auf jeden Fall besser laufen. Wir mussten warten bis der letzte Fahrer oben angekommen war um dann die Abfahrt gemeinsam zu fahren. Auch hier musste man aufgrund der nassen Straßenverhältnisse in den vielen Kurven vorsichtig fahren. Im Hotel wieder angekommen genoss ich eine heiße Dusche um den Körper wieder auf normal Temperatur zu bringen. Nach dem wir zu Abe3nd gegessen hatte fand um 20 Uhr die Siegerehrung auf dem Gelände der benachbarten Schule statt. Es wurden zahlreiche Medaillen und Trikots für die Sieger der einzelnen Wertungsklassen verteilt. Auch an diesem Abend wurde ich nicht alt und ging früh schlafen, um für das Road-Race am nächsten Tag fit zu sein. Das Wetter hatte sich beruhigt und ich konnte bis auf wenige Unterbrechungen durch das Läuten der benachbarten Kirchenglocken gut schlafen. Frühstück um 7:30 Uhr und kurz nach Acht fing es schon wieder an zu regnen. Wäre ich doch besser nach Stuttgart zum Halbmarathon gefahren, so wie meine Teamkollegin Anja Wicker und wäre da das Wetter besser gewesen, die Gedanken waren nicht mehr ganz bei der Sache. Doch es handelte sich nur um einen kurzen Schauer und die Sonne trocknete die Strasse wieder schnell ab. Schon bei warm fahren standen optimale Straßenverhältnisse bereit. Um 11 Uhr fiele der Startschuss für uns Handbiker auf dem 2,4 km langen Rundkurs. Die Strecke war nicht ohne, viele enge rechtwinkliger Kurven, teils sehr schlechter Straßenbelag und nicht zu vergessen in jeder Runde eine kleine steile Rampe vorm Aktiv Hotel galt es zu bewältigen. Schon beim ersten überqueren dieser Rampe teilte sich das Feld in zwei Gruppen. In der ersten Runde versuchte ich jede Kurve in der höchst möglichen Geschwindigkeit zu fahren. Bernd Jeffre war in einer außerordentlichen Form an den Start gegangen und so konnte er mich schon in der 4 oder 5 Runde überholen und er führte alleine, weit und breit kein anderer Fahrer der ihm folgte - der pure Wahnsinn. Hinter mir hatte sich die komplette Wertungsklasse der Jugend versammelt und außer Jan-Phillip Ohm der in den ersten beiden Runden noch mitarbeiten konnte, ruhte sich der Rest ein wenig aus. Diese Situationen sind mir bekannt und in der letzten Runde werde ich dann abgezockt. In diesem Rennen sollte das nicht der Fall sein, ich beobachte genau das Verhalten hinter mir und suchte mir 1 Runde später die 2 aufeinander folgenden Kurven gefolgt von der langen Geraden für einen Sprint aus um meine Anhängsel los zu werden. Es glückte mir und so musste ich bis Rennende alleine fahren um meine Platzierung zu halten. Immer wieder den Blick nach hinten gerichtet um nicht doch noch eingeholt zu werden. Bernd kam kurz vor Beendigung des Rennens noch ein zweites Mal an mir vorbeigeschossen und noch immer hatte ihn keiner einholen können. Nach 13 Runden überquerte ich auf Platz 5 die Ziellinie und war mit dem Ergebnis voll zufrieden. Schnell unter die Dusche denn um 14 Uhr war schon die Siegerehrung für diese Rennen.

Fazit – bis auf kleine Korrekturen bei der Zeitnahme eine perfekte Veranstaltung. Es sollten sich mehr Athleten bei den nächsten deutschen Meisterschaften anmelden um die Veranstaltung noch attraktiver zu machen.


Fotos Deutsche Meisterschaft 2010