EHC-Rennen Al-Ain VAE 2010

Abenteuer Wüste Teil II

Mit der Entscheidung ob ich auch in diesem Jahr nach Dubai fliegen sollte oder nicht, tat ich mich sehr schwer. Zwar hatte ich den Flug schon lange im Voraus gebucht, aber meine MS hatte mir wie fast jeden der vergangenen Winter mal wieder etwas weggenommen. In diesem Fall waren einige Funktionen im linken Arm und in der linken Hand. Am 11.03. bei 0°C Außentemperatur sollte es dann aber doch mit der Emirates nach Dubai und von dort aus mit einem Transferbus ins 150 km entfernte Al-Ain gehen. Denn dort fand auch in diesem Jahr die Eröffnungsveranstaltung European Handbike Circuit statt. Alle Unterlagen komplett, das Sondergepäck im Ticket eingetragen konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Jörg Pieper und ich hatten unsere Transportboxen für die Bikes mit 50 kg bestückt, Markolf Neuske mein Teamkollege von ProActiv hatte das 60 kg schwere Gepäckvolumen von sich und seiner Frau Brigitte auf mehrere Gepäckstücke verteilt. Die beiden checkten als erstes ohne Probleme ein und Jörg und ich bekamen sofort Besuch von einem Mitarbeiter der Emirates, er wollte wissen was sich in den Boxen befand und wie schwer die Boxen seien. Schnell stellte sich heraus dass unser Eintrag im Ticket mit den 50 kg Sondergepäck wertlos sei. Der Herr der diese genehmigt hatte, konnte sich nicht so recht daran erinnern und wenn er es genehmigt hätte, so nie als ein Gepäckstück. Eine endlose Diskussion nahm nun seinen Anfang, mit Telefonaten in alle Richtungen und wieder die Diskussion. Der Herr ließ sich nicht von seinem Standpunkt abbringen, auch ein Telefonat mit dem Reisbüro über die die Buchung stattgefunden hatte brachte nicht den erwünschten Erfolg. Eigentlich hatten Jörg und ich die Reise schon abgeschrieben und machten uns Gedanken was wir mit dem angebrochenen Tag in Frankfurt anfangen könnten. Plötzlich nahm das Ganze eine Wende, der Mitarbeiter der Emirates kam erneut auf uns zu und berichtete das eine nette Dame, die wohl etwas zu sagen hatte, uns den Flug auch mit der Kiste genehmigt hätte. Zudem ließ der Mitarbeiter der Emirates für den Rückflug noch einen Eintrag in die Buchung machen, sodass beim Rückflug der Check-In etwas entspannter ablaufen sollte. Also mussten wir nun doch die Reise antreten und konnten uns auf etwas Wärme und eine Menge Sonne freuen. Der Flug verlief äußerst entspannt und ohne besonderer Vorkommnisse. In Dubai angekommen durften wir das neu erbaute Terminal 3 bestaunen und man konnte das Motto dieses Baus erkennen, hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Vor dem Terminal wartete bei 27°C nachts kurz nach 1 Uhr Ortszeit Elmar Sternath aus Österreich ebenfalls auf den Transferbus zum Hotel. Ca. 2 Uhr ging die 2-stündige Fahrt in einem umgebauten Schulbus zum Hilton in Al-Ain los. Kurz nach 4 bezog ich mit Jörg ein 2 Bett Zimmer um gegen 4:45 Uhr die Augen für 2 Stunden zu schließen.

Gegen 7 Uhr klingelte der Wecker, etwas frisch machen, frühstücken, Bikes aufbauen um kurz nach 9 Uhr die erste Trainingsfahrt mit den zahlreich angereisten Athleten zu unternehmen. Ich war noch nicht ganz wach, so dauerte einiges etwas länger und ich verpasste den Start der Meute. Nicht so schlimm und so machte ich mich gegen 10 alleine bei 36°C und Sonnenschein zum Training auf die Strecke. Eigentlich ganz gut so, ich konnte mich auf meine eigenes Tempo konzentrieren und musste mich nicht der Meute anpassen. Die Fahrt führte Richtung Landesgrenze zum Oman, eine gerade Strasse mit sehr wenig Verkehr und erstklassigem Teeruntergrund. Gegen 12 Uhr kam ich nach einer entspannten Fahrt von 50 Kilometern zurück ins Hotel, die enorme Temperatur merkt man erst wenn man in praller Sonne anhalten muss, während der Trainingsfahrt kühlt der Fahrtwind einigermaßen. Bei Mittagessen traf ich meinen Teamkollegen von Pro Activ, er hatte die Zeit genutzt um ein wenig länger zu schlafen. Für den Nachmittag verabredeten wir uns für eine letzte kleine Trainingsausfahrt. Diese Ausfahrt wurde bereits nach wenigen Kilometer durch ein Polizeifahrzeug gestoppt. Der nette Polizist erklärte uns die Gründe warum es auf dieser fast 20 km langen geraden Strecke nicht ratsam sei ohne Begleitung mit unseren Bikes zu trainieren. Viele Autofahrer würden den wenigen Verkehr dazu benutzen das wageninnere aufzuräumen, zu telefonieren oder ihren Bürokram mit dem Laptop zu erledigen. Er fragte uns wie lange wir noch fahren möchten und nach kurzer Rücksprache mit wem auch immer erklärte er uns dass er uns bis zum Abschluss des Trainings absichern werde. Auch nicht schlecht, zwei Biker vom Team Pro Activ in der Wüste Abu Dhabi in Polizeibegleitung beim Training. Bei der Rückkehr wurde ich noch durch einen in meinem Bett liegenden französischen Athleten überrascht. Jörg berichtete mir  dass dies unser fehlender 3. Mann im Zimmer sei und dass am späten Nachmittag noch ein drittes Bett untergebracht werden sollen. Meine Gute Stimmung war im Nu weg, klar bei der Vorstellung dass wir durch dieses 3. Bett eine riesige Spielwiese auf Zimmer 321 hatten. Unsere Rücksprache bei der Rezeption ergab dass es nur die Möglichkeit eines Umzuges in ein anderes größeres 3-Bett Zimmer gab, also Koffer packen und umziehen. Das neue Zimmer war wesentlich größer, hatte aber auch nur 2 Betten und es sollte doch einige Zeit dauern bis ein 3tes in Sicht war.

Am Nachmittag wurde alle UCI Lizenzen der Athleten kontrolliert und der Ablauf der Veranstaltung besprochen. Erstmals wurde die Steckenführung fürs Einzelzeitfahren und für das 50 km Straßenrennen per Videoaufzeichnung vorgeführt und auf eventuell Auftretende Hindernisse hingewiesen. Des Weiteren wurden auf die Technische Abnahme durch 2 UCI Kommissare vor dem Zeitfahren hingewiesen. Es sollte noch eine Klassifizierung durch einen UCI Kommissar stattfinden, die aber aus Zeitmangel nicht richtig durchgeführt werden konnte und auf das nächste EHC Rennen vertagt wurde. Am Abend ging es früh zu Bett, zumindest für Jörg und mich. Denn unser Franzose hatte immer noch kein Bett. Gegen 23 Uhr oder sogar noch später wurde auch er erlöst und konnte noch ein wenig Schlaf genießen.

Am nächsten Morgen gegen 5:30 Uhr war die Nacht rum, jetzt schön nacheinander die Nasszelle benutzen und danach frühstücken. Um 7:45 startete die über 70 Handbiker große Meute auf die 10 Kilometer Strecke zum Startplatz für das Einzelzeitfahren. Nicht schlecht wenn man bedenkt dass sich um diese Uhrzeit der Berufverkehr durch die Stadt schlängelt. Aber die Polizeifahrzeuge hielten uns den Weg frei und alle kamen ohne Blessuren im Startbereich an. Um 9 Uhr ging der erste Starter auf die 15 km lange Strecke, im Minutentakt starteten die nächsten Athleten. Meine Startzeit lag bei 9:38 Uhr und ich nutze die Wartezeit meine Muskulatur auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Zeit war schnell rum, technische Abnahme und nun stand ich am Start.

5.4.3.2.1 GO

 

Ich wusste dass ich meine Top-Zeit vom letzten Jahr nicht halten konnte, aber ich versuchte mit dem umgebauten Griff für meine linke Hand, der meine fehlende Schließkraft der Hand überspielen sollte, das Beste daraus zu machen. Mein Puls arbeitet leider auch nicht mehr so richtig, dadurch dass die MS meine linke Körperhälfte voll im Griff hat. Was soll es da muss ich durch und gab alles was ging. Immerhin kam ich bei 27:44 auf Rang 19 ins Ziel ein Platz vor meinem Teamkollegen Markolf der etwas raus genommen hatte, da er noch nicht richtig einschätzen konnte, was beim Einzelzeitfahren auf ihn zu kam. Eigentlich ist ein schnitt von 32,45 km/h für mich einigermaßen zufrieden stellend wenn man die Umstände mit einbezieht. Aber einigermaßen gehört nicht zu meinem Wortschatz, am Nachmittag musste noch mehr gehen.

Nun ginge es mit dem Bus zurück zum Mittagessen ins Hotel, ein wenig ausruhen und wieder mit dem Bus zum Startplatz. Fleißige Helfer hatten die Bikes in einer großen stillgelegten Schwimmhalle untergebracht damit an die teuren Sportgeräte nichts dran kommt. Brigitte die Frau von Markolf holte mir freundlicher Weise mein Bike wieder dort raus.

Punkt 16 Uhr starteten die verschiedenen Schadensklassen nacheinander auf die 7,2 km lange Strecke fürs Straßenrennen, diese musste von uns 7-mal umrundet werden. Die ersten beiden Runden liefen verdammt gut und ich dachte dass wird ja eine lockere Ausfahrt, doch schon in der 3 Runde riss das große Starterfeld auseinander und ich befand mich zusammen mit meinem Teamkollegen im zweiten Teil des Feldes. Die Führungsgruppe ging auf und davon und wir sollten nun versuchen das Beste daraus zu machen, Ein kurzer Blick in den Rückspiegel und der Gute Vorsatz war wie weg geblasen, hinter mir ein alter Freund der mit seinem breiten Grinsen gerne den Windschatten der anderen geniest. Dieser Umstand bringt mich immer wieder aus der Fassung und ich kann mich äußerst schlecht aufs Biken konzentrieren. Ich musste auch diese Gruppe ziehen lassen und versuche mit dem tschechischen Nachwuchsfahrer Jan das Ding zu Ende zu bringen. Nach 1 Stunde 28 Minuten und 53 Sekunden konnte ich auch hier den 19. Platz erreichen und belege damit den 20. Platz in der Gesamtwertung der EHC.

Die Bikes wurden auf LKWs verladen und für die Athleten ging es mit dem Bus zurück ins Hotel. An dieser Stele muss ich ein ganz dickes Lob an die vielen Helfer der Veranstaltung aussprechen. Alle diese Helfer gaben alles um den vielen Athleten es so einfach wie möglich zu machen und behandelten unsere Sportgeräte wie rohe Eier damit ja nichts kaputt geht. Vielen Dank

Um 20:30 Uhr erfolgte die Siegerehrung in einem sehr festlichen Rahmen ins der Hotelanlage des Hilton Al-Ain. Der für die Organisation in Al-Ain verantwortliche Trak Souei und die anwesenden UCI Kommissare hatten kleine Reden vorbereitet. Das anschließende Dinner rundete den Tag ab und wir konnten uns in unsere Zimmer zurückziehen. Jörg und ich waren noch so aufgedreht dass wir noch bis nach 2 Uhr in meinen Geburtstag reinredeten.

Am nächsten morgen hatten wir uns um 7:30 Uhr mit Brigitte und Markolf verabredeten, da die beiden schon am 14.03. abreisten. Die Beiden hatten sogar an meinen Geburtstag gedacht und überreichten mir ein Geburtstagspräsent worüber ich mich sehr gefreut habe. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns und Jörg und ich nutzten den Vormittag um bei Sonnenschein und Temperaturen von fast 40°C noch eine lockere Runde mit den Bikes zu drehen. Auch wir konnten uns langsam aber sich auf die heimische Kälte wieder einstellen denn nach dem einpacken unserer Sportgeräte hatten auch wir unsere letztes Abendessen bevor es am nächsten  Morgen gegen 8 Uhr mit dem Bus nach Dubai und per Flieger zurück nach Frankfurt gehen sollte. Der Check-In im neuen Terminal 3 verlief bis auf ein paar paar Diskussionen mit dem Personal und ein paar Telefonaten reibungslos. Wir hatten noch ein wenig Zeit und rollten durch die riesige Duty-Free Einkaufsmeile bevor unser Flieger Richtung Heimat abflog.

Mein Ressume für diesen Trip ist dass ich mich um die Anmeldung des Gepäcks noch besser kümmern muss und beim nächsten Mal ein paar Tage vorher anreisen sollte um das mein eh schon angeschlagener Körper sich besser auf die fast 40°C Temperaturunterschied einstellen kann.

Fotos EHC-Veranstalltung Al-Ain VAE 2010