EHC-Rennen Rosenau F 2010
Klassifizierung stand im Vodergrund
Vor dem eigentlichen EHC-Rennen in Rosenau Frankreich stand ja noch die Klassifizierung der UCI Kommissäre, am Tag vorher im Captain Hotel in Blotzheim ganz in der Nähe von Rosenau ,auf dem Plan. Gesagt getan, am Karfreitag um 7:30 Uhr ins gepackte Auto und mal eben 436 km nach Blotzheim abreißen. Immer die Gedanken auf den viel vorhergesagten Stau gerichtet, verlief die Fahrt jedoch äußerst entspannt.Im Captain Hotel angekommen warteten schon mehrere Athleten auf ihre UCI Klassifizierung. Bei mir galt es einer Überprüfung ob ich trotz der Verschlechterung meines Gesundheitszustandes noch in der Wertungsklasse H 2 richtig aufgehoben war. Als Kömmissäre waren zwei bekannte Gesichter vor Ort. Zum ersten Didier Simons der sich schon im vorangegangen Rennen in Al-Ain ein Bild von mir gemacht hatte und als zweiter Jürgen Schmid aus Hamburg, der vor 2 Jahren eine national gültige Klassifizierung bei mir durchgeführt hatte. Damals machte ich den Sprung von H3 nach H2, sollte es hier von H2 nach H1 gehen? Ich war als 4. Athlet an der Reihe und die Dauer der Untersuchung bei den Athleten zuvor zeigte, dass die beiden es sehr genau nahmen mit dem was sie da machten und so soll es ja auch sein. Endlich war ich an der Reihe, nach kurzer Begrüßung wurde meine nicht ganz so kleine Krankengeschichte aufgenommen. Damit verschafften sich beide einen kleinen Einblick in die Geschichte eines MSler’s, denn ich bin zur Zeit der einzige aktive Athlet mit MS. Danach erfolgte eine Untersuchung meiner Körperfunktionen, oder besser gesagt der Restfunktionen meines Körpers. Meine MS schaltet so langsam meine linke Körperhälfte komplett aus. Erst war es mein linkes Bein, damit konnte ich umgehen und setzte mich in den Rollstuhl und jetzt ist so langsam mein linker Arm dran. Die Unterarmmuskulatur und ein Teil vom Trizeps fehlt, die Koordination des gesamten Arms und der Schulter ist auch nicht mehr die Beste. Ich wurde gebeten mich nach draußen zu begeben damit sich die Beiden kurz beraten konnten. Nach ein paar Minuten durfte ich wieder reinrollen und Jürgen Schmid stellte schnell fest, in diesem Zustand bist du in deiner Klasse H2 nicht mehr konkurrenzfähig. Aber für die H1 bist du noch zu fit, so Leid es mir tut aber dafür muss es dir noch schlechter gehen. Du stehst zurzeit genau zwischen den beiden Klassen. Na gut noch den offiziellen UCI Klassifizierungsbogen für die Klasse H2.1 mit Unterschrift erhalten und den Hinweis bekommen dass mich beide noch weiter beobachten werden. Mein Hotel für die folgende Nacht hatte ich in Saint-Louis gebucht. Auf dem Weg dort hin schaute ich mir noch kurz die Rennstrecke für morgen an und tatsächlich waren auch noch einige Athleten und Athletinnen auf der Strecke am trainieren. Ich denke die wollten nur die Strecke mal bei trockenen Straßenverhältnissen erleben, denn für Morgen ist nicht das beste Wetter gemeldet. Lassen wir uns überraschen, es ist ja Ostern.
Am nächsten Morgen sollten alle, die nach Eiern suchen wollten, sich regenfeste Kleidung anziehen. Obwohl meine Startzeit erst um 13:15 Uhr war machte ich mich schon nach dem Frühstück vom Hotel aus auf den Weg zur Rennstrecke. Ich brauchte noch meine Startunterlagen und der Parkplatz direkt an der Strecke war nicht groß genug, so dass alle der 187 angemeldeten Athleten dort Platz fanden. Es hörte irgendwie nicht auf zu regnen und das Thermometer zeigte auch nur 8°C an, keine guten Bedingungen für die Starter um 11 Uhr. Man sollte wissen dass der fast 15 km lange Rundkurs mit seinen Kreiseln für diese Menge an Athleten nicht genügend Freiraum gibt und deshalb ein Teil um 11 und der andere Teil um 13 Uhr starten um Unfälle und Kollisionen zu vermeiden. Die Jungs und Mädels die um 11 Uhr starten mussten waren nicht zu beneiden, zwar hatte es aufgehört zu regnen, doch die Strecke war richtig schön nass und glitschig. Schon vom Start weg ging es die Spitze recht ruhig und gelassen an um das Risiko so gering als möglich zu halten. Die Führungsgruppe bestand aus fast 20 Fahrern die sich in ihrer Reihenfolge immer mal wieder abwechselnden, aber sonst tat sich nicht viel. Jeder hatte im Hinterkopf möglichst ohne Crash ins Ziel zu kommen und Punkte einzufahren. Es blieben bis zum Schluss 12 Athleten der Führungsgruppe zusammen und kamen nur 4 Sekunden hinter dem Sieger Vico Merklein über die Ziellinie. Nur ein französischer Fahrer der Wertungsgruppe H 3 konnte wegen eines technischen Defektes das Rennen nicht beenden.
Ich machte mich kurz vor 12 Uhr fertig um mit meinem neuen Raptor for you ein wenig warm zu fahren und um 13 Uhr pünktlich am Start zu sein. Mit von der Partie bei dieser Premiere mein Team Kollege Markolf Neuske, der genau wie ich sein neues Bike eine Woche vorher bekommen hatte. In dieser Woche hatte ich ein wenig Zeit gehabt um mich ein wenig auf das neue Bike einzugewöhnen, immerhin hatte ich einige Maße erstmals geändert und hatte nun eine Rückenschale die extra angefertigt wurde. Und ich muss sagen Pro Activ hat seine Hausaufgaben gemacht, in der kurzen Zeit von den ersten Tests mit dem Prototyp bis zum Serienmodell ist ein Hammer Bike entstanden. Die neue Gabel ist an Steifigkeit nicht zu übertreffen, ein schleifen der Scheibenbremse durch Verwindungen gehört der Vergangenheit an. Gabel und Rahmen bilden eine Einheit, in der das Fahren ein neues Maß an Stabilität und Fahrfreude bietet. An extravagantem Aussehen ist das Bike nicht zu übertreffen und findet keine Vergleichsebene.
Bei der Startaufstellung hatte ich in diesem Jahr ein wenig Pech, obwohl ich auf Rang 20 der EHC Rangliste geführt wurde musste ich in der vorletzten Startreihe Platz nehmen. Um 13:15 Uhr kam der Startschuss und nach 500 Metern gab es bei der Durchfahrt des ersten halben Kreisels das erste Gedrängel. Hier versucht jeder schon die ersten Plätze gut zu machen, ich hielt mich da raus weil mir noch an die blutigen Ellenbogen des letzten Jahres in Erinnerung waren. Jedoch musste ich auf der anschließenden langen Geraden schon versuche Plätze gut zu machen. Ziel von mir war in die Gegend meines Teamkollegen Markolf zu kommen und mit ihm versuchen eine gute Zeit zu fahren. Die Bedingungen hatten sich zum Vormittag verbessert, die Strecke hatte abgetrocknet und es war wärmer geworden. Kurz bevor ich die erste Wende erreicht hatte kam mir Markolf schon am Schluss der Verfolgergruppe entgegen, er hatte jetzt schon bestimmt 500 Meter Vorsprung raus gefahren. Ich für in einer 3er Gruppe mit Pier einem sehr netten und fairen Schweizer mit dem ich schon in vielen Rennen zusammen gefahren war. Den anderen Athleten kannte ich nicht und so versuchen wir ein unser Tempo hoch zu halten und hin und wieder den ein oder anderen Fahrer einzuholen. Unsere Gruppe wuchs und wir hatten nun einen Fahrer dabei der die Zusammenarbeit gehörig störte, wir versuchten in regelmäßigen Abständen die Führungsposition zu wechseln und wenn der Unbekannte an die Arbeit kam viel unser Tempo um satte 4-5 Stundenkilometer nach unten. Mittlerweile war die Gruppe mehr damit beschäftigt sich über diesen Typ zu ärgern als ein vernünftiges Rennen zu fahren. Bei jeder Wende sah ich wie mein Teamkollege mehr Vorsprung raus fuhr und für mich mittlerweile nicht mehr einholbar war. Jeder Versuch unseren unliebsamen Gast in der Gruppe los zu werden verlief erfolglos, wenn es ums sprinten ging hatte er genug Power abrufbereit. Es ging nun schon in die letzte Runde und wir hatten in der zweiten schon 2 Minuten auf die erste Runde verloren und meine größte Angst war dass der Typ mir bis zum Schluss hinterherfährt und mich kurz vor Ziel einfach abzockt. Unsere Gruppe bestand aus 6 Athleten und es war noch eine halbe Runde zu fahren. Ich war vor Letzter in der Gruppe hinter mir unser unliebsamer Schatten, als die Jungs vor mir aus einem Kreisel raus anzogen musste ich stark abbremsen und zog gleich wieder voll an. Mein Hintermann konnte da leider nicht mehr mithalten und als erst einmal Meter zwischen uns waren vergrößerte sich der Abstand recht schnell. Jetzt musste ich alles geben um zu versuchen wieder an den Rest der Gruppe ran zukommen. Bei der letzten Wende fing es dann auch noch richtig an zu regnen, ich hatte mittlerweile wieder einen der Gruppe erreicht, die anderen inklusive Pier hatten zu einem zweiten Sprint angezogen und waren gut 20 Sekunden vor mir. Der Regen nahm mir jetzt die Sicht und ich musste mich erst einmal meiner Brille entledigen. Am Ende standen 01:22:43 als Zielzeit auf meiner Uhr, es reichte mit einem Schnitt von 31,33 km/h leider nur für den 36.Platz. Am meisten freute es mich dass ich unserem Windschattenfahrer auf der letzten halben Runde doch noch fast 2 Minuten abnehmen konnte. Da sieht man was es ausmacht wenn man versucht das ganze Rennen nur hinterherzufahren, solche Athleten landeten ohne ihre Vordermänner nur auf den letzten Plätzen. In der Führungsgruppe unserer H2 Wertung kamen 18 Athleten innerhalb der ersten 8 Sekunden hinter dem Gewinner Tobias Knecht ins Ziel, so eng ist die Leistung der Top Athleten gesteckt.
Fazit: Solange mein Gesundheitszustand sich nicht bessert habe ich keine Chance die Zeiten vom letzten Jahr nur annähernd zu erreichen, aber ich kämpfe weiter.
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