EHC-Schenkon Schweiz 2010

Am Freitag machte ich mich auf den 500 km langen Weg in die Schweiz, denn in diesem Jahr fand das 21 km Zeitfahren der EHC Wertung in Schenkon statt. Entgegen aller Prognosen kam ich gut durch den Verkehr und es gab nur einen kleinen Stau. Nach einer entspannten Fahrt checkte ich im gebuchten Hotel von Sursee ein, Sursee ist der nächst größere Ort bei Schenkon. In der Hotellobby traf ich einen italienischen Athleten der sich Gedanken über das Wetter am Rennsamstag machte. Solange es nicht so nass wird wie am vergangenen Wochenende in Mainz bin ich mit jedem Wetter zufrieden. Ich brachte mein Gepäck aufs Zimmer und machte mich mit dem Rolli auf den Weg um ein Lokal zum Abendessen zu finden. Sursee hat eine schöne Altstadt mit vielen kleinen Lokalen, schade die meisten haben 5-6 Stufen vor der Tür. Am Rande der Altstadt kam mir der Österreicher Peter Traussnig mit dem Bike entgegen, er hatte offenbar sein letztes Training vor dem morgigen Einzelzeitfahren hinter sich gebracht. Nach weiterem suchen wurde ich doch noch fündig, ein kleines italienisches Lokal mit nur einer Stufe und wie ich später feststellte, mit ganz leckeren Nudeln. Nach dem Essen machte ich mich wieder ins Hotel um mich für meine Lieblingsdisziplin, das Einzelzeitfahren am nächsten Tag, zu erholen. Schon beim lesen der Startliste war klar dass hier eine gute Platzierung fast ausgeschlossen war. Die gesamte Elite, immerhin 164 Athleten und Athletinnen aus 20 Ländern von Europa waren bei diesem Event am Start und kämpften um die begehrten UCI Punkte. Am Samstagmittag holte ich die Startunterlagen im Gemeindezentrum in Schenkon ab und fuhr zurück ins Hotel um dort noch die verbleibende Zeit bis zum Start am Abend totzuschlagen. Jörg Pieper kam mit seiner Frau Uta mit in mein Hotel und wir tranken gemütlich Kaffee. Gegen 15:30 Uhr hatten wir uns in der Tiefgarage mit meinen Teamkollegen Markolf Neuske und seiner Frau Brigitte verabredet um zusammen die Bikes fertig zu machen. Brigitte nahm diverse Ersatzräder und Handschuhe mit in ihr Auto um später gemeinsam mit Uta im Auto zum Startbereich zu kommen. Ein wenig Hektik kam auf als Jörg merkte dass er seine Tachoeinheit im Hotel in Freiburg liegen ließ und der Weg war eindeutig zu weit um diese noch zu holen. Leider hatte von uns keiner Ersatz dabei und so musste er erst einmal ohne Tacho auskommen. Wir 3 machten uns mit den Bikes auf den Weg zum Startbereich denn hier mussten wir noch durch die Bike-Abnahme, damit auch alles rechtens an den Sportgeräten ist. Wie bestellt fing es an zu regnen als wir die Tiefgarage verließen und der Regen wurde immer stärker. Bis wir den Treffpunkt erreicht hatten waren wir schon so durchnässt, dass es eigentlich keinen Sinn machte noch am Rennen teilzunehmen.  Aber Jörg und ich hatten ja am vergangenen Wochenende schon mal ein Regenrennen hinter uns gebracht. Doch hier war es nicht nur nass sondern auch noch bitter kalt, aber was macht man nicht alles um dabei zu sein. Meine Startzeit war 17:31:30 Uhr und ich hatte noch über eine Stunde Zeit. Wir hatten uns mittlerweile bei einem Einkaufsmarkt untergestellt, aber frieren tat ich trotzdem und jetzt wusste ich warum Vittorio das Wetter so wichtig war. Ein paar Athleten fuhren sich auf mitgebrachten Trainingsrollen warm und andere mich einbezogen mussten die tropfenfreie Zeit dafür nutzen. Doch viele brachte es nicht, ich fuhr zu Abnahme meines Bikes und stellte mich fierend in die Startreihe. Ein älterer Herr hielt seinen Schirm schützende über mich und als er meine Zähne klappern hörte bot er mir sogar noch seine Jacke an. Ich lehnte dankend ab und hoffte dass es gleich losging.Noch 2 Fahrer vor mir und schon war ich an der Reihe. 10,9,8,7,6,5,4,3,2,1, Go und ich gab alles. Aber irgendwie fühlte sich das an als ob ich nicht von der Stelle käme und schön überholte mich der erste Athlet der wohl hinter mir gestartet war. Ich konnte ihm nicht folgen und als der erste Anstieg kam war er schon außerhalb der Sichtweite. Meine Muskulatur wurde langsam warm und die Kurbelbewegung tat nicht mehr ganz so weh. So nach fast 10 Kilometern fing es langsam an gut zu laufen. Die Wattanzeige an meiner Tachoeinheit zeigte nun Werte an mit den ich leben konnte. Der Regen wurde einfach nicht weniger und auf den Strassen stand einiges an Wasser, da ich die Strecke nicht kannte machte ich in den Kurven bewusst ein wenig langsamer um das Bike auf jeden Fall unter Kontrolle zu haben. Meine Handschuhe waren völlig durchnässt und meine Fingerkuppen fühlte ich fast nicht mehr. Den Gedanken „ich ziehe die Handschuhe gleich aus und werfe sie einfach weg“ musste ich Aufgrund dessen, dass ich mir diese bei Brigitte vor dem Rennen ausgeliehen hatte, gleich wieder verwerfen. Da musste ich jetzt durch und dachte an die die Athleten die ohne Handschuhe und mit kurzärmligen Trikots gestartet waren, ob die es wohl jetzt besser hatten. Der zweite Teil der Strecke um den Sempachersee lief um einiges besser und trotz der Steigung zum Ende konnte ich noch zulegen. Beim überqueren der Ziellinie blieb die Uhr bei 43:29,9 stehen und es reichte für den 29.Platz. ein respektables Ergebnis bei diesem Starterfeld.

Fazit: Wie nicht anders zu erwarten war es ein gut organisierter Event mit äußerst schlechtem Wetter, aber da kann auch der sonst so bemühte Schweizer seinen Einfluss nicht geltend machen.


Fotos EHC-Schenkon Schweiz 2010